Für einen meiner Jobs bin ich gerade dabei, eine Namensliste in den Computer zu übertragen und dann mit bestimmten Nummern zu kennzeichnen, hunderte Namen. Ja, diese Arbeit ist genau so, wie sie klingt: Routine. Zunächst habe ich mich ziemlich dagegen gewehrt (und langweilige Seminarstunden dafür genutzt), aber dann habe ich immer wieder bemerkt, wie ruhig mich diese Routine-Arbeit macht – und habe sie kombiniert mit etwas anderen, das mir immer noch schwerfällt, wenn ich sonst nichts zu tun habe: Podcastst hören.
Wie man an meinem letzten Artikel merkt, beschäftige ich mich gerade viel mit der Abkehr von ständiger Selbstoptimierung und Effizienz – insofern habe ich wohl noch viel zu lernen, weil ich es kaum schaffe, nur einer Sache Raum zu geben. Aber immerhin bewege ich mich thematisch schon mal in eine entschleunigte* ruhigere Richtung : Zum einen gibt es zwei Sendungen der TED Radio Hour von NPR, die eine heißt ziemlich offensichtlich Slowing Down, die andere Screening Time Part I – denn wie wir alle wissen, entspannt uns vieles, was wir vor Bildschirmen machen, nicht gerade (außer diesen Blog zu schreiben und zu lesen natürlich!). In den Podcasts kommen verschiedenste Aspekte von Langsamkeit zur Sprache: Norwegisches Slow TV, bei denen man Fischer fünf Tage ununterbrochen auf ihren Booten begleiten kann oder anderen neun Stunden beim Stricken zusieht. Sie behandeln Vorzüge von Langstreckenflügen, bei denen man vierundzwanzig Stunden nicht erreichbar ist, von der Magie des Briefeschreibens und vom Wert der Prokrastination. Und auch wenn manche dieser Aspekte dann doch wieder daraufhin ausgelegt werden, dass Langsamkeit im Endeffekt zu erhöhter Produktivität führt, reichen allein schon die beruhigende Stimme des Moderators und die sanften Hintergrundgeräusche dazu, dass man runterkommt.**

Ich beim Podcasts hören – naja, in einer ideal heruntergekommenen (?!) Welt vielleicht. Plattenpower.


*ich finde dieses Wort schrecklich. Entschleunigt. Das klingt schon wieder so künstlich, so – ja – zwangsberuhigt. Vielleicht aber auch nur, weil es im Abendpogramm von SWR3 immer zu hören war, und das bei uns zuhause früher immer lief – kann man wirklich entspannen, wenn dieser gute Ratschlag (Entschleunigt!) zwischen zwei Avici-Songs gepresst wird?

**Runterkommen gefällt mir viel besser. Runter von einer Art Droge. Zutaten: Lob, Richtung, ERGEBNISSE, Stromlinienförmigkeit und eine große Prise Schmerzmittel.

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